Willkommen zurück,  viel Zeit ist seit dem ersten Blog-Abschnitt vergangen, vieles ist geschehen, vieles ist gewachsen, manches blieb, anderes ging…

Wo waren wir gleich stehengeblieben? …  Ach ja:

Küche


Sie sieht mich, … kommt auf mich zu, …
und umarmt mich, …  lange …
So stehe ich da, fest umarmt,  mit der Kuchenform in der einen und einer Salatschüssel in der anderen Hand.

 

 

Klassenraum

Mit meiner “Mäuschenstimme” bedanke ich mich  für die herzliche Begrüßung … und flüchte durch die Türe in das Klassenzimmer.” Uff!”

Ich atme tief durch und glotze in den Raum. Ja richtig, ich glotze, … meine Gedanken sind Bilder, …  Bruchstücke von Varianten und Ideen, wie eine anthroposophische  Raumgestaltung auszusehen hat.

Meine Gesichtsausdrücke müssen wohl theaterreif sein, denn Helga sieht mir lächelnd zu.

Anstelle einer liebevollen Bemerkung, wie schön die Wandtafel bemalt ist, stammle ich: “Sind die Oberlichter in Ordnung so? Heizt die Sonne zu stark?”  Ich registriere, wie sie stutzt, bevor sie sagt:
” Kannst du Bettina einen schönen Gruß ausrichten, das Essen war köstlich, die Kinder konnten  nicht aufhören, ich glaube es ist nichts mehr da.” … “Natürlich, gerne…”

Jetzt bin ich es, der sprachlos dasteht, … bereitwillig abgelenkt von einem Vogel, den ich durch die geöffneten Fenster sehen kann.

Samuel erscheint an der Türe zum Gang….
“Papa!”…
Ich hebe die Kuchenform etwas, … halte sie ihm entgegen. So schnell er auftauchte, so schnell ist mein Sohn wieder hinter der Türe verschwunden.

Hier muss ich wirklich passen, ich habe keine Erfahrungen mit Klassenzimmern. Während der Projektentwicklung kamen sehr viele Themen auf, aber am meisten prägten die Richtlinien der Schulbauverordnung.

Da der Klassenraum ein grundlegender Raum des gesamten Neubaus ist, haben wir uns auch immer wieder gedanklich damit befasst.

Wir haben uns lange damit auseinandergesetzt, dem Raum eine anthroposophischen Würze zu geben,  doch niemals konnten wir den entstandenen Beigeschmack auflösen.

Ob es nun an den vielen Köchen lag, die alle gute Ideen hatten, oder einfach nur daran, dass ein schlichter Raum auf die einfache  Art zubereitet erfüllender ist,…  ich weiß es nicht,…   geblieben ist ein gut bekömmlicher Raum, mit allem, was wir täglich brauchen.

Lange nachdem wir mit der Rohform des Raumes einig waren, diskutierten wir noch über die Dachform und die Beleuchtung. Zu dem Flachdach führte uns eine Kompromisslösung, zu den Oberlichtern das Bedürfnis nach natürlichem Licht, die LED-Paneele bieten ein optimales Raumlicht.

Foyer
( der Eingang aus einem anderen Blickwinkel )

Da Helga gerade in ein Gespräch verwickelt wird,  verkrümmle ich mich durch die Klassenzimmertüre in den Gang. Zuerst unentschlossen bleibe ich stehen, … dann ein paar Schritte nach links, zur Seitentüre in den Garten. Unter dem Vordach steht die Handpumpe des Brunnens, an derselben Stelle wie früher, als hätten wir das gesamte Gebäude an den Brunnen angepasst. Hinter dem Vordach wächst noch der Bambushain und im Hain mein Sohn. “Hier? Er war doch gerade noch… , naja, Zeit zu gehen… “       

Weit komme ich nicht. Drei Schritte bis zur Verbindungstüre zum ersten Klassenraum.  Der von rechts kommende hat Vorrang, das wäre dann Helga.   Obwohl geschäftig, immer noch lächelnd. Nochmals drei Schritte und ich stehe neben dem Lehrer- und Lehrmittelzimmer.

Kamala, beladen mit Schulunterlagen, steuert auf die geschlossene Türe zu. Nett, wie ich mich gebe, öffne ich sie natürlich sofort. Mit dem Ellenbogen, denn die Kuchenform ist in der einen und die Salatschüssel in der anderen Hand.

Ich habe so den Verdacht, dass wir uns während der Planung und Entwicklung gar nicht bewusst waren, wie essentiell dieser Bereich sein wird.  Dieser Raum hat 8 Türen.  Ein Dreh- und Angelpunkt oder wie der Ursprung des Wortes Foyer besagt: “Herd, Brennpunkt”.

Dieser Bereich ist entstanden, um das Bestehende mit dem Neuen zu verbinden, und das tut es, in jeder Hinsicht.

Wir standen  Anfang Juni  auf der Wiese, genau dort, wo dieser Raum sein sollte, und haben bereits die Wandfarben besprochen. Wir haben gedanklich die Türen geöffnet und sind den imaginären Kleidungstücken auf dem Boden ausgewichen. Wir haben den Raum belebt, noch bevor er gebaut ist.

 

 

Lehrer- und Lehrmittelkammer

Kamala geht hinein, ich kann ihr nicht folgen, zu zweit ist es bedrückend eng in der kleinen Kammer.

Und für mich wird es Zeit. Auf zum Parkplatz.

Klein und zentral, alles, was es braucht und nicht zu viel. Erinnert Ihr euch an die Zeile aus “Wachsender Familienschule” ?

Gestützt und aufgebaut durch unsere Lehrerinnen und Lehrer, ein starkes Astwerk, dessen breit gefächerte Aufgaben selten wahrgenommen werden, verzweigte Stützen, um andere ans Licht zu heben.

Dieses kleine Zimmer symbolisiert unbewusst das starke Astwerk, … im Zentrum, verborgen und unscheinbar scheint das ganze Leben darum herum zu sein. … Es zeigt wieder, wie wenig unsere Pädagogen für sich selber beanspruchen.

 

Parkplatz

Heute bin ich mit dem Auto da, meine Ausrede ist, dass ich die Salatschüssel und den Kochtopf abhole. In Wahrheit war ich zu faul, zuerst nach Hause zu fahren und dann mit dem Fahrrad zu kommen.

Aus Sorge, ich könnte mit meinem rostigen Firmenauto zu viel Platz brauchen, stehe ich drüben beim ÖBB-Parkplatz. Samuel wird sicher jammern, er sei zu müde, soweit zu gehen.

Ich drehe mich um, suche ihn mit meinen Augen, ein Kichern, “Raskall…” er steht hinter mir, hat sich angeschlichen und versteckt: “Papa, wer schneller beim Auto ist… ?”

So kann “Mann” sich irren, und ich laufe los…

Drei Gedanken zum Parklatz:

Wer sich selber einen kleinen Gefallen tun will, lässt das Auto bei der Post oder der ÖBB stehen, schon die wenigen Schritte zu Fuß wirken befreiend.

Wer sich selber einen größeren Gefallen tun will, parkt nicht bei den Nachbarn und achtet darauf, ordentlich einzuparken, das vermeidet unnötigen Ärger.

Wer sich selber einen ewigen Gefallen tun will, verzichtet, wo immer möglich, auf das Auto,
eine Freiheit, die sich jeder leisten kann.

 

Die Parkplätze wurden erst zum Thema durch die zahlreichen Verordnungen, die es zu erfüllen gilt. Und Auflagen hatten wir genug.

Wir mussten mit Händen und Füßen ringen um klein zu bleiben, erst reichte der Platz nicht und es wurde mehr, dann kamen Verpflichtungen an den Brandschutz, die WC mussten überarbeitetet werden, das Verhältnis der Fenster und des Raumvolumens musste zur Schüleranzahl passen, Lärmschutz, Beleuchtung, Ansprüche,… mehr und mehr… teurer und teurer…

Wir wollten von Anfang an der Schule eine dauerhafte Zukunft ohne finanzielle Ängste geben und kamen immer mehr zu Summen, die nur mit purem Glück zu stemmen waren.

Durch Kürzungen, durch das Vertrauen und durch die tatkräftige Mithilfe der Vereinsmitglieder sowie einer ordentlichen Portion Glück werden wir es auch schaffen.

Denn es macht wenig Sinn die Schule zu parken, genauso wenig wie ein parkendes Auto Sinn macht. ( Frei übersetzt bedeutet es: “sich selbst auf einem dafür vorgesehenen Platz abstellen”. )

 

 

Auf dem Weg

Bereits auf dem Heimweg erinnere ich mich an die Entstehungszeit zurück und frage mich, ob wir unsere Erwartungen erfüllen konnten.

Ich verfalle ins Grübeln.

“Papa ? Hast du etwas zu Essen dabei ? ” … “Paapaa?” … “Mmmhh,.. ah… Nein…  wir sind gleich Zuhause.”

Schlicht und einfach holt er mich in die Realität zurück. Das Hier und Jetzt ist wichtiger. Auch wenn ich alles vor und zurück durchdenke, … so hat mein Sohn uns vielleicht gerade das Leben gerettet, denn im Auto unterwegs sollte ich schon bei mir sein. 

Es ist gut, so wie es ist, und Zuhause wartet ein gutes Essen auf uns.

 

Auch die Familienschule ist “unterwegs”.  Eine Schule parkt nicht!

Wir haben einen Weg vor uns, den werden wir gehen, mit Kurven und Geraden, mit Sackgassen und Weiten. Und immer nehmen wir uns selber mit, bis unsere Kinder uns nicht mehr brauchen. Und uns weiterziehen lassen, gestärkt durch das, was wir ihnen geben konnten.

 

Frohe Fahrt, wachsende Familienschule.

 

 


 


 

 

aizoon-maennlein-giessenfrohes Schaffen

wolfgang

Nachtrag: das Wort “schaffen” und der Dialekt -Ausdruck “schaffa” haben verschieden Bedeutungen, “schaffen” (etwas künstlerisch oder handwerklich erzeugen) und “erschaffen” (durch eigene kreative Kraft entstehen lassen) sind doch etwas anderes als “schaffa” ( arbeiten bis zum Umfallen). ( frei nach https://de.wiktionary.org/wiki/schaffen )

Der lateinische Gruß Salve bedeutet „Heil, Gesundheit, Ganzheit“, ist also ein Segensgruß, der direkte Unversehrtheit bedeutet und wünscht. ( Quelle: Wikipedia )