Ein kleiner Spaziergang durch den Neubau, vom Eingang bis zur Küche

Meine Damen und Herren, Mesdames et Messieurs, ladies and gentlemen, isch präschentiere Ihnen mit Schtolz, … ähm…

Mit besonderer Freude lade ich alle Interessierten zu einem kleinen literarischen Rundgang durch das möglicherweise bald gebaute neue Schulgebäude unserer wachsenden Familienschule ein.
Deshalb schließen Sie die Augen, Mesdames et Messieurs, und genießen Sie die Vorstellung:

 

Zugang

Munter im Tratschen vertieft,  setze ich meine ersten Schritte auf den Kiesplatz der Familienschule.
Mit einem Blick erfasse ich einen kräftigen Apfelbaum in einer grünen Wiese,  die nahtlos in ein heimeliges Holzhaus übergeht. Die grüne Fläche ist geborgen zwischen einem Holzschuppen und  zwei Wänden eines Holzhauses, …
davon leuchtet eines in frischem Holz, …
das andere ist verwittert und zeigt die Spuren des weisen Alters.

 

Meine Augen ruhen nicht, sie suchen das Fenster zum Klassenzimmer, …sehe ich Schemen? …Sehe ich Kinder?…    Meinen …?

Ich lenke meine Schritte nach links Richtung Holzschuppen und folge dem schmalen bekiesten Zugang mit den “Hüpfsteinen”, vorbei am Schuppen und all seinen Geheimnissen und stehe  unvermittelt vor dem neuen Gebäude.

Typisch Mann, der ich bin, übersehe ich den mit Blumen geschmückten Eingang, übersehe die Holzbank mit den Gummistiefeln und das vergessene Pausenbrot und schweife mit meinem Blick über den Holzrost, der beide Gebäude verbindet.

Wir müssen noch etwas warten, bevor wir das Gebäude betreten können.
Zeit genug, um den Gemüseacker zu bemerken und  in der Krone der alten Kastanie nach Spuren unserer Kinder und der Herkunft des Vogelgezwitschers zu suchen…

 

Denn jeder Schritt zum Eingang beeinflusst das Wohlempfinden im Gebäude.  (Ein Zitat von mir, leider hören so wenige auf mich.)

Wir haben uns in den Planungsgesprächen über unzählige Faktoren Gedanken gemacht. Faszinierenderweise waren die Diskussionen über den Außenbereich, welcher unmittelbar auch der Zugangsbereich ist, am hitzigsten.

Es war im Gespräch, ein zentrales Lehrerzimmer hier zu platzieren, was einer Portierhütte, ja einer Wachhütte geglichen hätte.
Wir haben über einen gemeinsamen Zugang genauso verhandelt wie über die WCs auf der Eingangsseite.
Das Vordach war mal riesig und ein andermal gar nicht vorhanden.

Aber sehr schnell war klar, dass der Schuppen, die Bäume, die Grünfläche und auch der Gebäudestil erhalten bleiben und dass nicht nur im Gebäude eine Verbindung zwischen beiden Bauwerken erforderlich ist.

 

Eingang

Heute bin ich der Hahn im Korb, unter all den Müttern, die ihre Kinder abholen.
Wir stehen unter dem kleinen Vordach zusammen und können durch die Eingangstüre die Garderobe mit all den Schuhen und Jacken sehen, ich glaube sogar, dass am Ende des Ganges die grüne  Wiese hinter der Schule zu erkennen ist.

Und da kommen sie, unsere jungen Rabauken.
Eine Schar tuschelnder Mädchen aus dem Gruppenraum, … eine müde wirkende Gruppe Jungs aus dem neuen Klassenraum, … darunter mein Sohn, … er sieht mich, …
ein Grinsen, …
ein stolzes Heben der Brust, …
ein Aufblitzen von Schabernack in seinen Augen.

Ich muss noch in die Küche Essensreste abholen.
Dafür wende ich mich nach links, vorbei an WC und Lehrerzimmer zum Gruppenraum.

Ich komme beruflich immer mal wieder in neue Häuser.  Das ist gut, um ein Gefühl für die Menschen zu bekommen, die darin wohnen.
Dabei sind drei Räume entscheidend. Die Küche, der Eingang und die WCs. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich man 2m2-WCs bauen kann. Mich erstaunt es noch viel mehr, wie sehr der Stil dieser Räume den Charakter der Bewohner wiederspiegelt.

Kein Raum im Plan wurde so oft verschoben wie die WCs.
Erst waren sie vorne zum Eingang: Pausenhof und Klogestank, das ging dann schon gar nicht. Dann drehte es sich im Kreis: Mitte, hinten, vorne, links, … halt, ja da bleiben sie jetzt auch, neben der Garderobe, wo sie auch hingehören. Ein kleines Fenster zum Lüften und möglichst im zweckdienlichen schlichten Stil wie der Bestand.

Das Lehrmittel- und Lehrerzimmer hat ähnliche “Wanderschaften” hinter sich.
Vom kleinen Nischendasein zum großen Lehrerzimmer, mal zusammen mit Technik und Heizung, mal nur als Durchgang oder als Schrank.
Selbst ein zentrales “Wächterhaus” war ein Diskussionspunkt.  Geblieben ist ein kleines Zimmer, zentral gelegen für eilige Erledigungen, groß genug für eine kurze Privatsphäre, zu klein für ein Sofa.

Überraschend hat sich die Kombination aus Gang und Garderobe erst recht spät in dieser Form entwickelt.
Nachdem klar war, dass wir zwei Eingänge brauchen, einer im bestehenden und einer im neuen Schulgebäude, setzten wir unseren Fokus auf die Garderobe.
Die Größe und die Form muss den Kindern gerecht werden, sowohl geborgen aber nicht beengend.  Ursprünglich hatten wir keinen Gang, die Räume sollten flächensparend angrenzen. Wir haben uns verbogen, gedreht und gewunden, bis Helmut diesen Gang eingezeichnet hat.
Mit einem Mal war klar, was fehlte, das verbindende Puzzleteil!

 

Gruppenraum

Mit wenigen, gedankenverlorenen Schritten bin ich im Gruppenraum, eine kompakte Bauweise hat schon Vorteile. Das große Fenster auf der linken Seite in den Garten ist geöffnet, die frische Luft erfüllt den Raum.

Ich sollte eigentlich schnurstracks zur Küche gehen, aber jahrelange Erfahrung als Ehemann lenken meine Gedanken davon ab und meine Augen suchen Bekannteres…
“Ach ja, den Zaun zum Nachbarn sollten wir besser gestalten, der sieht nicht so toll aus… ”
Essen ist keines mehr da.” Das war Kamala, lächelnd, mit müden Augen: “Die Kinder haben alles aufgegessen, auch den Salat.”

Kamala verstaut gerade die Sitzpolster im Wandregal, … mit Lächeln erinnere ich mich, wie es zu dem Vorschlag kam. Ich helfe ihr, …
wortlos, …
die Stimmung im Raum hallt von fröhlichem Kindergelächter und sanfter Musik wieder.

Apropos Musik, wir schließen die beiden großen Flügeltüren zum Klassenraum, denn heute war Probe für die nächste Schulfeier. Dann wird der Gruppenraum zur Bühne  und mit dem Klassenzimmer zur Aula.

Ich frage mich immer wieder, wofür die großen Fensterfronten nach Süden dienen sollen. Im Sommer braucht es einen Sonnenschutz, die Fenster und die Aussicht sind verdeckt. Im Winter, wenn im Raum das Licht brennt, braucht man einen Einsichtschutz, die Fenster und die Aussicht sind verdeckt. Vollkommen irrwitzig wird es, wenn der einzige Standort für den übergroßen Fernseher vor dieser Fensterfront ist. Von innen Mattscheibe, von außen Kabelsalat…

Rückblickend gestehe ich, dass wir  in den Planungsgesprächen oft aneinander vorbeigeredet haben;  am stärksten bei den Fenstern. Eine Ausrichtung  zur Sonne, Osten oder Süden, kam absolut nicht in Frage, zu schnell würden die Räume aufheizen, vor allem dann, wenn es lieber kühl sein sollte. Aber hell muss es schon sein im Unterricht.  Mehr Oberlichter sind zwar gut aber teurer, und wo bleiben dann die Fenster in den Garten? Was jetzt? Aber ja doch, Fenster sind ja nicht nur für den Lichteinfall gut, es sind auch Verbindungen nach draußen, wer sitzt schon gerne im geschlossenen Raum.

Im Gruppenraum haben wir uns für eine zurückversetzte Fensterfront entschieden, dadurch bleibt die Mittagssonne draußen, der Blick in den Garten vorhanden, Platz für eine kleine Holzterrasse und als ob wir es nicht auch bedacht hätten, der Raum bleibt symmetrisch. Etwas größer als früher, klein genug für einen geborgenen Kreis.

Zwei weiter Punkte waren dauerhafte Themen, die großen, schalldichten Verbindungstore zum Klassenraum und die eingegliederte Küche.

 

Küche

Da ich praktisch schon mit einem Fuß in der Küche stehe, nehme ich die Kuchenform in die eine und die Salatschüssel in die andere Hand.  Das Geschirr ist schon sauber, aber im Spülbecken glaube ich Wasserfarbenreste zu erkennen.

Im Umdrehen werfe ich noch einen Blick in den Garten hinter der Küche und sehe bereits unser nächstes Projekt:    “den Gemüsegarten im Hang” vor meinem geistigen Auge, als eine alte Bekannte in mein reales Blickfeld tritt.  Sie sieht mich, … kommt auf mich zu, …
und umarmt mich, …  lange …
So stehe ich da, fest umarmt,  mit der Kuchenform in der einen und einer Salatschüssel in der anderen Hand.

Ich sehe die Küche als das “Herz” eines Hauses, hier pulsiert das Leben, hier läuft alles durch. In jedem andere Raum bekommt man ab, was in der Küche geschaffen wurde.

So klein und unscheinbar unsere neue Küche auch wirken mag, sie wurde heiß “gekocht”.  In meiner Erinnerung war es auch der “Raum”, den Helga am heftigsten verteidigte.

“Die Küche muss leicht von der Klasse erreichbar sein, wir brauchen Wasser zum Malen  und für Tee,   …  nein, da wir sonst kein Wachbecken haben, muss es näher sein   …    vielleicht muss auch jemand zum Essen sehen  … von da kann ich es nicht im Auge behalten …  mal kurz einschalten ja, aber länger wegbleiben …. nein … .   Die Küche muss Platz für Kochen in der Mittelstufe bieten! … Könnt Ihr euch vorstellen, wie das mit 10 Kindern in dem engen Raum machbar sein soll? …  “

Auch wenn meine Zitate ein schwacher Ersatz zu Helgas Beitrag sind, bleibt die Gewissheit, eine praktische Lösung erarbeitet zu haben.

Die letzte Änderung im Plan war die Türe von der Küche zum Klassenraum.

 

 

Hier beende ich diesen Blog Eintrag, weiter geht es mit:

Klassenraum

Mit meiner “Mäuschenstimme” bedanke ich mich  für die herzliche Begrüßung … und flüchte durch die Türe in das Klassenzimmer.

zu finden unter:
Ein kleiner Spaziergang durch die neue Familienschule, von der Küche bis Zuhause

 

 

aizoon-maennlein-giessenfrohes Schaffen

wolfgang

Nachtrag: das Wort “schaffen” und der Dialekt -Ausdruck “schaffa” haben verschieden Bedeutungen, “schaffen” (etwas künstlerisch oder handwerklich erzeugen) und “erschaffen” (durch eigene kreative Kraft entstehen lassen) sind doch etwas anderes als “schaffa” ( arbeiten bis zum Umfallen). ( frei nach https://de.wiktionary.org/wiki/schaffen )